Ein Beruf mit großer

 

Verantwortung als Berufung

 

 

 

Ulrike Herzig vom MAZ Kärnten stand im Interview mit Journalist Mario Wilplinger Rede und Antwort zur Bedeutung eines der ältesten Berufe im Gesundheitsbereich und stellte klar warum Heilmasseure soviel Verantwortung „in der Hand“ haben.  

 

Frau Herzig, Sie sind selbst eine der erfahrensten Expertinnen auf dem Gebiet der Massage, wo kommt der Begriff eigentlich her und wie alt ist diese Form der Arbeit "am" und "mit" Menschen?

 

Herzig: Unter Massage (griechisch „kneten“) versteht man die mechanische Beeinflussung von Haut, Bindegewebe und Muskulatur durch Dehnungs-, Zug- und Druckreiz. Was oft unterschätzt wird ist, dass die Wirkung sich von der behandelten Stelle des Körpers über den gesamten Organismus erstreckt und auch die Psyche miteinschließt. Die Massage wurde bereits ca. 2.500 vor Chr. in Beschreibungen von Massagegriffen erwähnt. Erste gezielte Anwendungen zur Heilung gab es nach heutigem Stand der Wissenschaft im asiatischen Raum (China, Persien). Bei uns ist der heutige Medizinische Masseur ursprünglich aus dem staatlich geprüften Heilbademeister entstanden. Die gesetzliche Regelung der Ausbildung war ein wichtiger Meilenstein und bringt auch für die Menschen, die sich massieren lassen Sicherheit in guten Händen zu sein.

 

Wie kann man sich die Ausbildung zum Medizinischen Masseur konkret vorstellen?

 

Die Ausbildung zum Medizinischen Masseur umfasst eine theoretische Ausbildung einschließlich praktischer Übungen ohne Patientenkontakt von insgesamt 815 Stunden (das sind sechs Monate in der Schule), sowie eine praktische Ausbildung mit Patientenkontakt im Ausmaß von 875 Stunden (ebenfalls sechs Monate). Auch die praktische Ausbildung wird von der Schule organisiert. Beginnen kann die Ausbildung jeder Interessierte, der mindestens 17 Jahre alt ist.

 

Dürfen Medizinische Masseure gesunde und kranke Menschen behandeln?

 

Der gewerbliche Masseur darf nur gesunde Menschen massieren, der Medizinische Masseur darf jederzeit auch Patienten behandeln, wenn es eine Verordnung eines Arztes mit entsprechender Diagnose gibt. Als freiberuflicher Heilmasseur habe ich die Möglichkeit sowohl in meiner eigenen Praxis Patienten zu behandeln wie dies auch als Angestellter zu tun.

 

Und wie wird man vom Medizinischen Masseur zum Heilmasseur?

 

 

Beide Ausbildungen sind klar im Medizinischen Masseur- und Heilmasseurgesetz geregelt.  Nach der Ausbildung zum Medizinischen Masseur kann man sich zum Heilmasseur weiterbilden. Das ist sogar berufsbegleitend möglich. Nach positiv

abgeschlossener Ausbildung kann man freiberuflich in seiner eigenen Praxis

 

behandeln. Als mobiler Heilmasseur kann man freiberuflich Kranke am Bett besuchen und dies Behandlung wird von den Krankenkassen unterstützt.

 

Ist auch eine weitere Spezialisierung möglich?

 

Heilmasseuren stehen nach der klassischen Ausbildung weitere Spezialqualifikation wie etwa die Basismobilisation, die Osteopathieausbildung oder die Ausbildung in Faszienbehandlungen offen. Auch der Weg zum Physiotherapeuten kann gewählt werden. Außerdem sind nicht nur Klassische Massagen beliebt auch im Sportbereich sind fundiert ausgebildete Masseure immer gefragt. Dies reicht vom Leistungssport bis hin zu Großveranstaltungen. Insbesondere der Präventivbereich etwa zur Vorbeugung von Muskelkater rückt immer mehr in den Fokus.  

 

Hat sich die Bedeutung der Massage seit Bestehen im Vergleich zu heute geändert?

 

In der heutigen Zeit leiden immer mehr Menschen - durch etwa monotone Sitzhaltungen oder Tätigkeiten, viel Bildschirmarbeit und zu wenig Bewegung - unter Rückenschmerzen und Verspannungen, wodurch die Massage eine unverzichtbare Bedeutung als Ausgleich für Körper, Geist und Seele erlangt hat. Auch wenn die Wurzeln weit zurückliegen – worauf wir stolz sein können – so haben sich nicht nur unterschiedliche Techniken, sondern auch der Stellenwert in der Gesellschaft stetig weiterentwickelt. Berührungen gehen über den bloßen Kontakt hinaus, denn es können tiefe psychische Vorgänge ausgelöst werden. Bei der Massage werden nicht nur zusammenhängende Strukturen im Körper erfasst und bearbeitet, sondern es wird zwischen den Menschen auch Energie ausgetauscht. Heute zählt auch die Präventionsarbeit zu wichtigen Aufgaben von medizinischen Masseuren und Heilmasseuren, um den Menschen zu helfen Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen.

 

Würden Sie sagen, dass die Berufe medizinischer Masseur und Heilmasseur mehr als eine herkömmliche berufliche Tätigkeit darstellen?

 

Schauen Sie, ich bin stolz auf unsere Berufsgruppe und besonders auch auf die vielen Frauen und Männer, die mit einer fundierten Ausbildung am MAZ auch die gesetzliche Befähigung erlangt haben Menschen auf unterschiedliche Art und Weise zu helfen. Viele glauben der Beruf würde auf die Gelenke gehen oder sei körperlich schwer zu bewältigen, Das ist unrichtig. Es ist alles eine Frage der Technik. Je fundierter diese erlernt wurde, desto mehr Freude hat man später am Beruf. Masseure stehen auch nicht immer am Tisch, sondern haben dank der Bandbreite der Möglichkeiten mit Menschen zu arbeiten einen sehr abwechslungsreichen Beruf. Dies reicht von Bädern über Elektrotherapie bis hin zu Bandagen um nur einige zu nennen. Für mich persönlich ist es nie ein klassischer Beruf gewesen, sondern stets eine wunderschöne Berufung.

 

Herzlichen Dank für diese aufschlussreiche Expertenmeinung Frau Herzig.

 

Sehr gerne. Im Übrigen sind Interessierte jederzeit eingeladen sich auf unserer Webseite www.kneippakademie.at oder unter der Telefonnummer 0664/9305307 (täglich 8 bis 16 Uhr) weiter zu informieren.